KI-Akzeptanz messen: Lizenzen zählen ist keine Messung

Ob eine KI-Einführung gelungen ist, zeigt nicht die Zahl der vergebenen Lizenzen. Es zeigt sich daran, wie im Haus über jene gesprochen wird, die das Werkzeug benutzen. Wo sie belächelt werden, bleibt die Nutzung aus, egal wie viele Zugänge freigeschaltet sind. KI-Akzeptanz ist messbar. Nur nicht dort, wo die meisten Unternehmen hinsehen.
Ausgerollt ist nicht angekommen
Der Konzern hatte alles getan, was ein Rollout verlangt. Jede und jeder bekam einen Zugang. Aus Sicherheitsgründen war zu Beginn aber stark eingeschränkt, was man damit tun konnte.
Genau das wurde zum Problem. Die Mitarbeitenden kannten KI aus dem Privatleben, und dort war sie leistungsfähiger. Was sie im Unternehmen vorfanden, wirkte daneben wie eine Basisversion. Sie mussten erst über Master-Prompts und über Anwendungsfälle mit Super-Usern an das Thema herangeführt werden.
Schnell wurden jene, die das Werkzeug nutzten, etwas spöttisch betrachtet, weil die Anwendungen so einfach waren. Der Begriff „Nichtschwimmerbecken“ meinte genau sie: Menschen, die KI brauchen, um arbeiten zu können. Zum Hochleistungsanspruch in Teilen des Unternehmens passte das nicht. Die Nutzung blieb noch lange nach der Einführung sehr gering. Die eigentliche Idee, dass diese Phase zu einer Explosion an Kreativität und neuen Anwendungen führt, zum Nutzen für Kund:innen und Mitarbeitende, ging nicht auf.
Der Spott ist ein Messwert
Was im Konzern geschah, ist kein Einzelfall, sondern experimentell belegt. Menschen, die bei der Arbeit KI verwenden, erwarten, als weniger kompetent und weniger motiviert eingeschätzt zu werden. Und sie werden es tatsächlich: Das zeigen vier präregistrierte Experimente mit 4.439 Personen. Die Abwertung verschwindet erst, wenn KI offensichtlich zur Aufgabe passt.
Für die Messung folgt daraus etwas Unbequemes. Ein Spitzname wie „Nichtschwimmerbecken“ sagt mehr über den Stand der Einführung als jede Lizenzstatistik. Er zeigt, welche Norm im Haus gilt: KI-Nutzung als Zeichen von Können oder als Zeichen von Schwäche.
Was ist Schatten-KI?
Schatten-KI heißt, dass Mitarbeitende für ihre Arbeit KI-Werkzeuge nutzen, die das Unternehmen nicht freigegeben hat – meist über ein privates Konto, oft auf dem privaten Gerät. Der Begriff lehnt sich an die Schatten-IT an. Wo das offizielle Werkzeug stark eingeschränkt ist und die Menschen privat ein leistungsfähigeres kennen, liegt sie nahe.
Sie ist zweierlei. Ein Risiko, weil niemand weiß, welche Daten das Haus verlassen. Und ein Signal: Der Bedarf ist da, das offizielle Angebot deckt ihn nicht. Ein Verbot allein verlagert die Nutzung nur ins Verborgene.
Für die Messung heißt das: Eine niedrige Nutzung des offiziellen Werkzeugs kann bedeuten, dass niemand mit KI arbeitet – oder dass woanders gearbeitet wird. Deshalb gehört die Frage in jede Erhebung, anonym gestellt: Welche Werkzeuge nutzen Sie tatsächlich?
Was Lizenzzahlen nicht zeigen
Zugang und Gewohnheit liegen weit auseinander. Das gilt nicht nur für diesen Konzern.
Fast die Hälfte der US-Beschäftigten nutzt KI bei der Arbeit. Täglich tut es jede:r Zehnte.
Wer wissen will, wo die eigene Organisation steht, braucht deshalb andere Fragen als „Wie viele haben einen Zugang?“. Wir stellen vier, entlang der Barrieren, die über KI-Adoption entscheiden.
Perspektive
Wie groß ist die Lücke zwischen dem, was das Management über die Nutzung annimmt, und dem, was die Teams berichten?
Unsicherheit
Wie wird über Menschen gesprochen, die KI nutzen? Spitznamen sind Messwerte.
Resistenz
Wie viele gute Anwendungen werden geteilt, und wie viele bleiben bei der Person, die sie gefunden hat?
Errorkultur
Darf ein Versuch scheitern, ohne dass er jemandem angelastet wird?
Dazu kommen drei Zahlen, die sich in jedem Team erheben lassen. Erstens die Regelmäßigkeit: Wie viele nutzen KI jede Woche, nicht irgendwann? Zweitens die Breite: Für wie viele verschiedene Aufgaben wird sie eingesetzt? Drittens das Teilen: Wie viele Anwendungen sind im letzten Monat von einer Person zu einer anderen gewandert?
Was der Konzern geändert hat
Die Lösung war kein besseres Werkzeug und keine zweite Schulungswelle. Es wurde geschärft, was die Einführung eigentlich bedeutet.
Vision und Heute trennen
Was ist das Zielbild, und was ist heute tatsächlich möglich? Wer beides vermischt, weckt Erwartungen, die das Werkzeug am ersten Tag enttäuscht.
Erwartungen klären
Was kann man von dieser Stufe erwarten und was nicht? Eine eingeschränkte Version ist kein Makel, wenn alle wissen, warum sie eingeschränkt ist und was als Nächstes kommt.
Die ganze Belegschaft mitnehmen
Nicht nur die Begeisterten. Master-Prompts und Anwendungsfälle mit Super-Usern geben jenen einen Einstieg, die vor dem leeren Eingabefeld sitzen.
Die soziale Norm stärken
KI-Einsatz muss als etwas Positives sichtbar werden. Solange die Nutzung belächelt wird, bleibt sie heimlich oder aus.
Führungskräfte sensibilisieren
Der Wandel braucht Menschen, die ihn mittragen. Was Führung selbst zeigt und anerkennt, entscheidet, ob aus dem Nichtschwimmerbecken ein Trainingsbecken wird.
Wo Ihre Organisation bei den vier Barrieren steht, zeigt der KI-Quickcheck in zwei Minuten. Mehr zum Vorgehen steht auf der Seite KI-Adoption.
Quellen
- Reif, J. A., Larrick, R. P. & Soll, J. B.: Evidence of a social evaluation penalty for using AI. PNAS 122(19), 8. Mai 2025. Vier präregistrierte Experimente, N = 4.439.
- Gallup: AI Use at Work Rises. 14. Dezember 2025. 23.068 erwerbstätige US-Erwachsene, Erhebung August 2025.